Renata Salecl o tiraniji kapitalizma in trajni osebni nesrečnosti

Renata Salecl v Der Spieglu modruje o tem, kako nas kapitalizem zaradi prevelike možnosti izbire dela nesrečne. Smo pod trajnim stresom. Ker nikoli ne vemo, če smo se odločili prav. Tako tisti, ki imajo denar, kot tisti, ki ga nimajo. Kapitalizem je globalna tovarna nesreče. Predvidevam, da so bili naši predniki v socializmu ali fevdalizmu bolj srečni. Tako kot so prebivalci Severne Koreje bolj srečni od sonarodnjakov iz Južne Koreje. Če nimaš izbire, ne moreš biti nesrečen. Ena partija, en kruh, en jogurt!

SPIEGEL ONLINE: Frau Salecl, bei der Schnellimbisskette Subways müssen Sie ein knappes Dutzend Entscheidungen fällen, ehe Sie in Ihr belegtes Baguette beißen können. Ist es das, was Sie meinen, wenn Sie in Ihren Vorlesungen von einer “Tyrannei der Wahl” sprechen?

Salecl: Ich versuche, Orte wie Subways zu meiden. Und wenn ich doch mal dort bin, bestelle ich immer dasselbe. Mit “Tyrannei der Wahl” bezeichne ich eine Ideologie, die im postindustriellen Kapitalismus entstanden ist. Es begann mit dem amerikanischen Traum, mit der Idee des Self-made Man, der sich vom Tellerwäscher zum Millionär hocharbeitet. Nach und nach wurde aus dieser Karriereperspektive ein universelles Lebenskonzept. Heute glauben wir, alles wählen zu können: Wen wir lieben, wie wir aussehen, selbst die Wahl des Kaffees will gut überlegt sein. Das ist äußerst schädlich.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Salecl: Weil wir uns ständig gestresst fühlen. Überfordert. Und schuldig. Denn wenn es mir schlecht geht, ist das gemäß dieser Ideologie meine eigene Schuld. Ich habe die falsche Wahl getroffen.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn ich mich richtig entscheide?

Salecl: Dann ist da stets das Gefühl, dass etwas noch Besseres hinter der nächsten Ecke wartet. So sind wir nie wirklich zufrieden. Und legen uns nur ungern fest.

SPIEGEL ONLINE: “Lasst den Pöbel nichts entscheiden! Er ist zu dumm dazu”: So argumentieren seit Jahrhunderten Autokraten. Wollen Sie etwa sagen, die haben recht?

Salecl: Nein. Ich kritisiere nicht die politische Wahlfreiheit, sondern die Perversion dieses Konzepts durch den Kapitalismus. Die Illusion, ich hätte die Macht über mein Leben.

SPIEGEL ONLINE: Aber die habe ich doch. Ich kann frei entscheiden, was ich will, auch wenn es mich stresst.

Salecl: Ganz und gar nicht. Eine befreundete Psychologin erzählte mir einmal von einer Patientin. Die hatte eine gute Schul- und Universitätsausbildung, einen guten Job, ein Haus, einen liebevollen Ehemann. “Ich habe alles in meinem Leben richtig gemacht”, sagte die Frau. “Aber ich bin immer noch nicht glücklich.” Die Frau hat nie das gemacht, was sie will, sondern immer nur das, von dem sie glaubte, dass die Gesellschaft es von ihr erwartet.

SPIEGEL ONLINE: Wir sollten also stärker unser persönliches Glück verfolgen?

Salecl: Auch das ist eine Illusion. Glück ist zur Leistungsvorgabe verkommen. Die Welt ist voll mit Frauenzeitschriften, die uns vorschreiben, was uns glücklich macht. Voll mit Facebook-Statusmeldungen, die uns zeigen, wie viel andere aus ihrem Leben machen. Es gibt sogar Indexe, die angeblich erfassen, wie glücklich verschiedene Nationen sind. “Du musst glücklich sein”, lautet der gesellschaftliche Imperativ. Wenn du es nicht bist, hast du versagt.

SPIEGEL ONLINE: Die Botschaft lautet aber auch: Du hast die Wahl. Dadurch hast du mehr Kontrolle über dein Leben.

Salecl: Ja. Dabei stimmt das nur bedingt. Denn die Folgen unserer Entscheidungen können wir ja noch immer nicht kontrollieren. Das ist der nächste Schritt: Wir wollen nicht nur die Wahlfreiheit, wir wollen auch eine Garantie, dass das, was wir wählen, genauso ist, wie wir es uns vorstellen.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben wir so viel Angst loszulassen?

Salecl: Weil wir jedes Mal, wenn wir uns für etwas entscheiden, etwas anderes verlieren. Man sieht es an Leuten, die Autos kaufen. Manche lesen nicht nur vor dem Kauf Produktrezensionen, sondern auch danach – um sich zu vergewissern, dass sie wirklich richtig gewählt haben.

SPIEGEL ONLINE: Wenn ich keine Wahl habe, weil ich mir nichts leisten kann – bin ich dann glücklicher?

Salecl: Paradoxerweise nein. Eine der größten Errungenschaften des Kapitalismus ist gerade, dass sich selbst der proletarische Sklave wie ein Meister fühlt. Dass selbst er glaubt, er habe die Wahl, sein Leben zu ändern. Die Ideologie des Selfmademan treibt uns an, wir arbeiten mehr, konsumieren mehr, am Ende konsumieren wir uns selbst. Die Folgen sind Burnout, Bulimie und andere Zivilisationskrankheiten.

Vir: Spiegel Online

2 responses

  1. Gospa ni najbolj poštena – v svetu različnih idej bi bilo treba eliminirati tudi te šume, ki človeka le zmedejo: poleg enega jogurta in enega kruha tudi ena sama (pravilna?) ideologija!

  2. Se je še komu kdaj zgodilo, da je v morju stopil na morskega ježa potem pa artroskopska operacija enega usekanega frenda in pekoča tekočina za razkuževanje v flaški v roki drugega zmešanega frenda? Prvi usekan frend sem bil takrat jaz, tekočina v flaški danes pa je Renata Salecl. Vsaj v kontekstu tajminga back to the future družbenega inženiringa, stožiškega partizanskega rokenrola, okrogle mize o UTD-ju v prajm tajmu in kakšne idiotske izjave poslanca Webra ali pa njegovega partijskega predsednika…

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